Ein Raum der Zuflucht: Die Erzählung von „Bongzimmer“

Im Lied „Bongzimmer“ der deutschen Rapgruppe SXTN wird eine Welt von Stillstand und Rückzug in das namensgebende „Bongzimmer“ geschaffen. Die Geschichte des Liedes entwickelt sich durch mehrere Strophen und Refrains hinweg. Der erste Refrain etabliert das Bongzimmer als einen Zufluchtsort, in dem alles Sinn ergibt und es dem Protagonisten gut geht: „Ich bin den ganzen Tag im Bongzimmer. Was ich grad mach‘? Ich chill‘ im Bongzimmer“. Die erste Strophe beschreibt detailliert den Zustand und die alltäglichen Aktivitäten im Bongzimmer: „Meine Augen rot, Gras grün, Zähne gelb, Lunge schwarz. Hab den ganzen Tag rumgeharzt, bis ich Hunger hab’“. Die zweite Strophe vertieft das Bild noch weiter und bringt eine gesellschaftskritische Perspektive ein: „Ich kann durch den Rauch das Universum sehen. Wie sich alle kleinen Menschen auf der Erde bewegen“.

Stilistische Mittel und poetische Entscheidungen

Die Band verwendet eine Vielzahl von sprachlichen und rhetorischen Mitteln, um die Atmosphäre des Liedes zu beleuchten. Metaphern und Farbsymbolik finden sich zahlreich, wie in „Meine Augen rot, Gras grün, Zähne gelb, Lunge schwarz“. Diese Farbsymbolik steht für den veränderten Bewusstseinszustand und den körperlichen Verfall durch den Drogenkonsum. Das Reimschema des Liedes trägt zum flüssigen und rhythmischen Charakter des Textes bei; Endreime und in sich geschlossene Phrasen, z. B. „Das ganze Zimmer verraucht mit dem allerbesten Kraut“ schaffen dabei poetische Harmonie. Der Text nutzt auch hyperbolische Sprache, um die Intensität der Erfahrungen im Bongzimmer zu betonen, wie in „Tagelang im Bongzimmer und tagelang gebufft“.

Emotionen und implizierte Botschaften

Das Lied weckt gemischte Emotionen beim Hörer. Einerseits bietet das Bongzimmer einen Rückzugsort vom Alltagsstress und wird als ein Platz voller Glück und Ruhe idealisiert. Andererseits offenbart der Text die Abhängigkeit und den Eskapismus des Protagonisten, besonders deutlich in der Zeile „Weil ich jeden Scheiß vergesse, weil ich kiffe. Muss ich endlich aufhören zu kiffen. Doch ich hab es vergessen, weil ich zu viel kiffe“. Dieses Paradox enthüllt eine tiefe Ironie und den Kreislauf der Drogenabhängigkeit, was auf eine versteckte Botschaft hinweist: Die temporäre Flucht ist keine Lösung für tiefere Probleme.

Der alltägliche Rausch und seine Hintergründe

Thematisch beschäftigt sich „Bongzimmer“ hauptsächlich mit Drogenkonsum, Eskapismus und Gesellschaftskritik. Die Flucht in das Bongzimmer wird als eine Reaktion auf den stressigen und oft sinnlosen Alltag dargestellt. Die gesellschaftskritische Note zeigt sich in Beobachtungen wie „Kriege und Waffen, die Reichen an der Macht. Für Intrigen und Lügen keine Zeit, ich muss paffen“. Hier wird das Bongzimmer als ein Refugium von einer Welt voller Konflikte und Ungerechtigkeiten dargestellt. Emotionale und kulturelle Aspekte wie die Suche nach Glück und Frieden inmitten eines rauen Lebensstils sind zentrale Punkte des Liedes.

Strukturelle und sprachliche Entscheidungen

Das strukturierte Wechselspiel zwischen Refrain und Strophen beton!t die durchgehende Botschaft des Protagonisten, im Bongzimmer Zuflucht und Sinn zu finden. Jeder Refrain festigt diese Idee weiter und bringt Konsistenz in das Zuhören. Die repetitive Struktur unterstreicht auch den Alltag des Protagonisten, der durch Wiederholung und Monotonie geprägt ist. Sprachlich wird ein lockerer, umgangssprachlicher Ton verwendet, der den alltäglichen, authentischen Charakter des Liedes unterstützt.

Vielschichtige Deutungen und persönliche Überlegungen

„Bongzimmer“ kann auf mehrere Arten gelesen werden. Einerseits ist es eine Ode an den Eskapismus und den Rückzug in eine subkulturelle Welt. Andererseits könnte es als eine kritische Reflexion über den Zustand der Gesellschaft und die Sinnlosigkeit bestimmter Lebensweisen interpretiert werden. Persönlich empfinde ich das Lied als eine Mischung aus Verherrlichung und warnender Erzählung. Der Text illustriert die trügerische Sicherheit des Rückzugs in die Isolation und regt dazu an, über die Gründe dieses Eskapismus und die tiefliegenden sozialen Probleme nachzudenken.

Das Lied „Bongzimmer“ von SXTN verschmilzt leichte, alltagsnahe Sprache mit tiefen, gesellschaftskritischen Themen. Es stellt einen Rückzugsort dar, der sowohl verführerisch als auch destruktiv sein kann und damit eine komplexe emotionale Ebene offenbart.

Ihr könnt euch denken, wo ich bin, wenn ihr mich sucht

Hier macht alles einen Sinn, hier geht’s mir gut

Ich bin den ganzen Tag im Bongzimmer

Was ich grad mach‘? Ich chill‘ im Bongzimmer (Bongzimmer)

Und warst du einmal da, gibt’s kein Zurück

Hier kommst du wieder klar und findest Glück

Den ganzen Tag im Bongzimmer

Was ich grad mach‘? Ich chill‘ im Bongzimmer (Bongzimmer)

Meine Augen rot, Gras grün, Zähne gelb, Lunge schwarz

Hab den ganzen Tag rumgeharzt, bis ich Hunger hab‘

Fressflash, çüş lan, ich hab‘ Bock auf Süßkram!

Lass ma‘ was bestellen oder hast du was im Kühlschrank?

Das ganze Zimmer verraucht mit dem allerbesten Kraut

Meine Longpapes verbraucht und das Feuerzeug geklaut, ah

Aber das kennste auch

Hotbox, wehe, du machst das Fenster auf

Haze liegt in der Luft, ich bade in diesem Duft

Tagelang im Bongzimmer und tagelang gebufft

Babamäßiges Kush, laber nicht so’n Stuss, ah

Lass dich fallen und vergiss deinen Frust

Leg die Beine hoch und genieß deinen Tag

Flugmodus an bi-bi-bin für keinen am Start

Ze-zehn Gramm Ott, Eins-A Hasch

Habe neunundneunzig Probleme, aber keins mit Gras, yeah

Ihr könnt euch denken, wo ich bin, wenn ihr mich sucht

Hier macht alles einen Sinn, hier geht’s mir gut

Ich bin den ganzen Tag im Bongzimmer

Was ich grad mach‘? Ich chill‘ im Bongzimmer (Bongzimmer)

Und warst du einmal da, gibt’s kein Zurück

Hier kommst du wieder klar und findest Glück

Den ganzen Tag im Bongzimmer

Was ich grad mach‘? Ich chill‘ im Bongzimmer (Bongzimmer)

Ich dreh‘ holländisch wie die Produzenten von „New Kids“

Keine Freunde, aber mein Drogenhändler besucht mich

Dein Joint so dünn wie ein Q-Tip, mein Joint so dick, dass du blutest (ja)

Ich lad‘ dich ein in mein Bongzimmer, bring Pizza mit, wenn du cool bist

Ich kann durch den Rauch das Universum sehen

Wie sich alle kleinen Menschen auf der Erde bewegen

Hin und her laufen, zur Arbeit, nach Hause

Warten und kaufen im Ameisenhaufen

Kriege und Waffen, die Reichen an der Macht

Für Intrigen und Lügen keine Zeit, ich muss paffen

Sie leben sich nur, wenn sie die gleichen Dinge hassen

Deshalb lieg‘ ich hier rum, es gibt nichts Geiles zu verpassen

Nur Angstalarm im Hamsterrad, wie sie trotzdem noch alles beschönigen

Miese Jobs im Bienenstock, doch sie opfern ihr Leben der Königin

Harz, Liebe und was zu bauen, sie denken, wir kiffen, weil wir blöde sind

Lass‘ mal Gras über die Sache rauchen, wir fühlen uns einfach wohl in dieser Höhle drin

Sie entscheiden sich lieber im Blut zu baden, immer noch leichter als gute Taten

Und wohin das Ganze führt ist ’ne gute Frage

Deshalb chill‘ ich da, wo ich doch meine Ruhe habe

Schreib‘ Songs immer im Bongzimmer und form‘ Dinge, es ist Bongzimmer

Noch besser als Sex, denn ich komm‘ immer, ich bekomm‘ Kinder

Im Bongzimmer (hah lol)

Ihr könnt euch denken, wo ich bin, wenn ihr mich sucht

Hier macht alles einen Sinn, hier geht’s mir gut

Ich bin den ganzen Tag im Bongzimmer

Was ich grad mach‘? Ich chill‘ im Bongzimmer (Bongzimmer)

Und warst du einmal da, gibt’s kein Zurück

Hier kommst du wieder klar und findest Glück

Den ganzen Tag im Bongzimmer

Was ich grad mach‘? Ich chill‘ im Bongzimmer (Bongzimmer)

Weil ich jeden Scheiß vergesse, weil ich kiffe

Muss ich endlich aufhören zu kiffen

Doch ich hab es vergessen

Weil ich zu viel kiffe

Weil ich jeden scheiß vergesse, weil ich kiffe

Muss ich endlich aufhören zu kiffen

Doch ich hab es vergessen

Weil ich zu viel kiffe

Weil ich zu viel kiffe

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